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Chronik
MGV Liederkranz Seelbach
Vorweg erscheint es erwähnenswert, daß Aufzeichnungen über die Gründung und die weitere Fortentwicklung zum Teil überhaupt nicht und wenn doch, dann teilweise nur lückenhaft vorhanden sind. Das mag in erster Linie an dem 1873 stattgefundenen verheerenden Brand und später an dem häufigen Wechsel vom Vorsitzenden und Schriftführer liegen.
Nach einer kurzen Notiz in den Unterlagen waren es 37 Männer, die am 5. Okt. 1862 den Verein gründeten, dem im Laufe der Monate Oktober und November noch 10 Mann beitraten, so daß sich die Zahl auf 47 erhöhte. Der erste Dirigent war Lehrer Weber, dem für 16 Singstunden 10 fl. 30 xrs gezahlt wurden. Zwei Jahre nach der Gründung –also 1864- übernahm Lehrer Nicodemus aus Falkenbach vertretungsweise die Leitung des Vereins, bevor er im Juni 1864 vom Lehrer Johannes Wirbelauer abgelöst wurde. Wirbelauer, der als gebürtiger Seelbacher mit großem Erfolg von 1865 bis 1879 als Lehrer wirkte, hat sich vor allem verdient gemacht durch die umfangreichen Aufzeichnungen in der Schulchronik über den Brand 1873. Er wirkte als Dirigent bis ca. 1880 und war maßgeblich verantwortlich für das Fest der Fahnenweihe am 7.9.1879. Da er an diesem Tag erkrankt war, hielt er die Ansprache vom Schulhaus aus und überreichte dort die neue Fahne dem Verein.
Die Fahne, die auch heute –wenn auch stark restaurierungsbedürftig- noch vorhanden und hinter einer Glasscheibe an einer Wand im Übungsraum angebracht ist, wurde in der Fabrik Lieber in Hanau gefertigt und kostete damals 230 M. Aufgrund eines Bittgesuches hat die Freifrau v. Dungern in Weilburg 100 M gespendet. An dem Fest, das auf dem „Kleinfeld“ stattfand, nahmen die Männerchöre aus Aumenau, Runkel, Villmar, Weyer, Münster, Laubus-Eschbach, Blessenbach, Weinbach, Eschenau, Schupbach und Allendorf teil.
Ab 1881 übernahm Philipp Adam Nickel die Leitung mit kurzer Unterbrechung durch die Lehrer Kissel u. Weber bis 1923. Bis zum Beginn des 1. Weltkrieges 1914 waren dem Verein unter seiner Leitung gute Jahre beschieden, was sich besonders durch die Teilnahme an Wettstreiten wie z.B. 1883 in Nassau, 1884 in Löhnberg, 1887 in Weilburg, 1910 in Weilmünster und 1912 in Löhnberg zeigte, wo der 2. Klassenpreis errungen wurde.
Ein besonders erwähnenswertes Ereignis war das 50-jährige Stiftungsfest, das am 30.6.1912 in der Müllerwiese gefeiert wurde unter der Mitwirkung von 8 auswärtigen Vereinen. Anläßlich dieses Jubiläums stifteten die Jungfrauen von Seelbach eine Fahnen-schleife. Nach den Ausführungen in der Chronik von 1817 – 1934 der ev. Kirchengemeinde Seelbach –Seite 85- wurde 1912 ein Jungfrauenverein mit 40 Mädchen gegründet, der zunächst als dreistimmiger Chor singen und später weiter ausgebildet werden sollte.
Mit Beginn des 1. Weltkrieges, aus dessen Anlaß viele Sänger eingezogen wurden und manche im Feld fielen, ruhte die Vereinstätigkeit bis zum Jahr 1919. Nochmals übernahm Philipp Nickel als Dirigent die Leitung bis zum Herbst 1922, wo er infolge von Krankheit seine Tätigkeit aufgab.
Es war Lehrer Schäfer, der als Dirigent bis 1925 wirkte. Ab diesem Zeitpunkt übernahm Lehrer Stamm die Leitung des Vereins mit kurzen Unterbrechungen durch Dirigent Becker von 1936 – 1938 und durch den 2. Weltkrieg bis zum Herbst des Jahres 1955.
Es war für den Verein eine fruchtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit mit vielen Höhe-punkten. Durch fleißiges, intensives und pünktliches Üben stellten sich auch die angestrebten Erfolge ein, wie z.B. beim Gesangwettstreit am 16. und 17. Juni 1928 in Aumenau, wo der 1. Klassenpreis der 1. Ehrenpreis der 1. höchste Ehrenpreis und der Dirigentenpreis errungen wurden. Auch bei dem Wettstreit in Niederscheld im Jahr 1930 errang der Verein den 1. Ehrenpreis, den 2. Hauptehrenpreis mit dem 4. Klassenpreis.
Auch die Zeit der Machtübernahme 1933 durch die Nationalsozialisten ging an dem Verein nicht spurlos vorbei. So mußte in einer außerordentlichen Hauptversammlung am 14.9.1933 den anwesenden 18 Mitgliedern mitgeteilt werden, daß nach den neuen Richtlinien des „Deutschen Sängerbundes“ ab sofort das Führerprinzip eingeführt werden muß. Als Vereins-führer (vorher 1. Vorsitzender) wurde einstimmig der bisherige 1. Vorsitzende Albert Göbel gewählt. Endeten die jährlichen Generalversammlungen bis dato mit dem Singen des „Deutschen Sängergrußes“, so wurden sie ab 1935 mit einem „Dreifachen Sieg Heil auf den Führer“ beendet.
Am 11. und 12. Juli 1937 wurde unter Leitung des 1. Vorsitzenden Albert Göbel und des Dirigenten Becker das 75-jährige Vereinsjubiläum gefeiert. Am Samstagabend fand der Kommers, am Sonntag ein Wertungssingen statt. Der Verein zählte damals 36 Aktive, 27 Passive und 17 Ehrenmitglieder, ein anschauliches Bild ist im Festbuch zum 100-jährigen Jubiläum enthalten. Der Verein erhielt damals eine Ehrengabe vom Deutschen Sängerbund in Form einer Plakette von Johann Sebastian Bach sowie die Zelterplakette.
In der Hauptversammlung am 30.4.1938 legte der 1. Vorsitzende Albert Göbel aus gesund-heitlichen Gründen sein Amt nieder. Als Nachfolger wurde Wilhelm Simon einstimmig gewählt. Mit Beginn des 2. Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit bis 1948.
Es war ein verheerender Krieg, der auch in den Reihen der Sänger fiele Opfer gefordert hatte. So bedurfte es erst einer gewissen Zeit, bevor den Menschen der Sinn nach Gesang und Verein stand. Im übrigen galt nach dem 8.5.1945 für unser Dorf amerikanisches Besatzungsrecht, dessen Verordnungen an der Gemeindetafel angeschlagen waren. Eine dieser Verordnungen besagte, das alle bisherigen Formationen und Vereinigungen aufzulösen waren. So dauerte es bis zum Herbst 1947, bevor sich einige Sänger mit der Frage des Wiederauflebens des MGV beschäftigten, Vorarbeiten leisteten und Genehmigun-gen beim Amt für Kultur- und Jugendpflege beim Landratsamt Weilburg –das immer noch unter Kontrolle der amerikanischen Militärregierung stand- einholten und die alten Sänger wachrüttelten.
So fand am 3.1.1948 –bekannt gemacht durch die Ortsschelle- in der Gastwirtschaft Georg Stamm die Neugründung des MGV Liederkranz statt, die wie vor 1933 wieder mit dem „Deutschen Sängergruß“ eröffnet wurde. 1. Vorsitzender wurde Wilhelm Simon, Dirigent Lehrer August Stamm. Der Neubeginn mit 35 aktiven Sängern gestaltete sich schwierig. Bereits 1949 löste Walter Nickel W. Simon als 1. Vorsitzenden ab und führte den Verein bis 1953, abgelöst von Reinhold Eisenkopf, der die Führung des Vereins 1959 an Richard Nickel übergab. Zwischenzeitlich war die Zahl der aktiven Sänger auf 24 gesunken, der Besuch der Gesangstunden war zeitweise schlecht, was mit ein Grund dafür gewesen sein dürfte, daß der langjährige und sich um den Chor verdient gemachte Dirigent Lehrer August Stamm sein Amt 1955 niederlegte.
Als sein Nachfolger wurde am 20.1.1956 Willi Strube aus Gaudernbach verpflichtet, der –mittlerweile durch Heirat Seelbacher Bürger- sein Amt durch Krankheit 1970 aufgeben mußte. Es war ein ständiges Auf und Ab, mal oben, mal unten. Höhepunkte in dieser Zeit waren die Besuche der Sänger aus Mülheim, der Gegenbesuch in Mülheim und insbes. das 100-jährige Jubiläum, das vom 14. – 16. Juli 1962 abgehalten wurde. Schirmherr des Festes war der damalige Jagdpächter Otto Tönshoff, Protektor Hermann Löhr aus Mülheim. Am Samstag, den 14. Juli, fand ein Festkommers im Festzelt, am Sonntag ein Festgottesdienst mit Totenehrung, am Nachmittag ein Festzug mit anschließendem Freundschaftssingen der Gastvereine im Festzelt und am Montag ein Frühschoppen statt. Festdirigent war Willi Strube, die Zahl der aktiven Sänger betrug 39. Es war ein durchaus gelungenes Fest und somit ein Ereignis, von dem der Verein ideell und materiell noch lange zehrte.
Doch so schnell wie es bergauf ging, ging es auch wieder bergab, so belief sich 1967 die Zahl der aktiven Sänger auf 24. Die Übungsstunden wurden von vielen Sängern nur sporadisch besucht, manche Stimmen waren dadurch unterbesetzt, so daß viele Gesang-stunden ausfielen und manche Veranstaltungen abgesagt werden mußten. Es war in der damals schwierigen Zeit vor allem ein Verdienst des 1. Vorsitzenden Richard Nickel, daß der Verein nicht zum Erliegen kam und weiter bestand.
Nachdem W. Strube wegen Krankheit 1970 seine Dirigententätigkeit aufgeben mußte, übernahm zunächst der Dirigent des 1968 neugegründeten Frauen- und Mädchenchores Reinhard Wolf die Vertretung, bis Erich Marx ab 14.4.1971 zum Dirigenten bestellt wurde. In den folgenden Jahren begannen die ersten zaghaften Versuche, von Zeit zu Zeit gemeinsam mit dem Frauen- und Mädchenchor aufzutreten. Es wurde vereinbart, 2 x getrennt und 2 x einzeln zu proben, was nach damaliger Auffassung von R. Wolf für beide Vereine keine zufriedenstellende Dauerlösung sein könne. Nach einem alten Sprichwort „will ein gut Ding Weile haben“, so ging es wieder aufwärts, als beide Chöre übereinkamen, ab II/1976 unter Beibehaltung der Selbständigkeit künftig nur noch als gemischter Chor aufzutreten.
Nachdem E. Marx Ende 1976 seine Tätigkeit als Dirigent beendete, konnte R. Wolf als gemeinsamer Dirigent gewonnen werden. Die Vereinbarung beider Chöre, künftig gemein-sam aufzutreten, war –so R. Wolf in der Generalversammlung des MGV am 22.1.1977- die einzig richtige Entscheidung, denn nach kurzer Zeit ging es wieder aufwärts. Dabei sollte nicht verkannt werden, daß es für einen über 100 Jahre alten Männergesangverein keine leichte Entscheidung war und die auch nicht von allen akzeptiert wurde. Jedenfalls gebührt dem Frauen- und Mädchenchor großer Dank, daß er dem MGV in seiner schwierigsten Zeit die helfende Hand reichte. Fortan begann eine erfolgreiche harmonische Zusammenarbeit beider Chöre.
Plötzlich hatte der Name Seelbach in Sangeskreisen wieder einen guten Klang, was die Einladungen zu Konzerten namhafter Chöre und die positive Kritik in der heimischen Presse bestätigte. So war es nicht verwunderlich, daß wir beim 75-jährigen Jubiläum des TUS Seelbach, 1980 bei den Konzerten in Idstein und Oberbrechen mit 80 Sängerinnen und Sängern auftraten. Es war fast abzusehen, daß dieser Stand auf Dauer nicht gehalten werden konnte, was jedoch den Leistungen keinen Abbruch tat. Jedenfalls konnte der langjährige verdiente Vorsitzende Richard Nickel Ende 1982 seinem Sohn Volker Nickel einen gut gestellten Verein übergeben. Unter seiner Leitung wurde 1987 das 125-jährige Jubiläum im Festzelt gefeiert.
Es war auch 1987, als durch einen Unglücksfall unser Ehrenvorsitzender Richard Nickel, der den Verein 25 Jahre durch alle Höhen und Tiefen führte, im Alter von 60 Jahren ums Leben kam.
Volker Nickel mußte bereits 1989 beruflich bedingt die Leitung an seinen Vertreter Gerhard Weil abgeben, der dem Verein bis Ende 2001 vorstand. Während seiner Zeit als 1. Vor-sitzender wurde u.a. 1992 der 130. Geburtstag des MGV mit einem anspruchsvollen Konzert gefeiert und die allseits beliebten Kappensitzungen ins Leben gerufen. Es waren insgesamt 12 gute und erfolgreiche Jahre für den Verein.
Wie es sich für einen Gesangverein gehört, kam selbstverständlich in all den Jahren auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Familienabende, Wanderungen, Grillfeste, Schlachtfeste, Maskenbälle, eigene Konzerte, Festbesuche, Tagesausflüge und besonders erwähnenswert die 4-Tagesausflüge, begonnen mit Hopferau und zuletzt 2002 mit Erfurt.
Zur Zeit hat der Chor keinen eigenen Übungsraum. Wir sind Gast im Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr Seelbach, die uns freundlicherweise Asyl gewährt hat, wofür ihr ein besonderer Dank gebührt. Bis zur Schließung der Gastwirtschaft Stoll 1976 hielten MGV und Frauen- und Mädchenchor ihre Übungsstunden im dortigen kleinen Saal ab, danach in einem Raum im Kindergarten. Als dieser Mitte 1997 vom Kindergarten benötigt wurde, wurde in den Vereinsraum in der Turnhalle ausgewichen, bis die Halle wegen Baufälligkeit gesperrt wurde. Wir hoffen, daß wir nach Fertigstellung der neuen Halle eine ständige Bleibe in dem geplanten Vereinsraum finden werden.
Daß die Halle z.Zt. nicht zur Verfügung steht war auch der Grund, daß der MGV seinen 140. Geburtstag im November 2002 mit einem Konzert im Dorfgemeinschaftshaus in Arfurt begehen mußte. Die Leitung dieses anspruchsvollen Konzertes hatte unser bewährter Chor-leiter R. Wolf, der den „Gemischten Chor“ mittlerweile 25 Jahre dirigiert. R. Wolf hat sich in diesen 25 Jahren zu einem allseits und weit über die Ortsgrenzen hinaus anerkannten und fachlich versierten Chorleiter entwickelt. Sein auf Perfektion ausgerichtetes Arbeiten, seine Zuverlässigkeit, sein stets bescheidenes und freundliches Wesen machen ihn zu einem Chorleiter, der bei aller Vertraulichkeit von allen Sängerinnen und Sängern geachtet wird und so den Chor zu einem beachtlichen Klangkörper geformt hat.
Der MGV, der 2012 –also in 9 Jahren- seinen 150. Geburtstag feiern kann und z.Zt. vom Vorsitzenden Jörg Mackauer geführt wird, leidet in den letzten Jahren an der Krankheit vieler Männerchöre – es mangelt an Nachwuchs. 15 Männer singen z.Zt. mit 30 Frauen im „Gemischten Chor“. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, daß künftig wieder junge Leute den Weg zum MGV finden, zu einem Verein, der sich trotz aller Wirrnisse der Zeiten, durch Höhen und Tiefen behauptet und durchgesetzt hat bis zum heutigen Tag.
In diesem Sinne wünsche ich dem Verein ein herzliches
Glück Auf
Lothar Kohl
Diese Chronik Endet 2004(Anmerkung der Administratoren)
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